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Auf der anderen Seite der Brücke liegt Kues - im Gegensatz zum eingezwängten Bernkastel - weit ausgebreitet am flachen Flussufer entlang. Ins Auge fällt als erstes der mittelalterliche Komplex des Cusanus- Stifts, das nicht nur architektonisch interessant ist. Es handelt sich um eine der erstaunlichsten sozialen Einrichtungen Europas, die der berühmteste Sohn des Stadtteils vor über 500 Jahren ins Leben rief. Damals stiftete Nikolaus Krebs, der sich Nikolaus von Kues nannte, gemeinsam mit Schwester und Bruder ein Altersheim für 33 bedürftige Männer, welches seinen Unterhalt aus den dazu gehörenden Weinbergen schöpfen sollte. 75.000 Weinstöcke wachsen für das Stift - und das hat bis heute gereicht. Es hat gereicht durch die Zeit der Bauernkriege und der Reformation, durch den Dreißigjährigen Krieg und die Raubkriege Ludwig XIV., es hat über die französische Revolution und die Preußenherrschaft gereicht, über Inflation und die Nazizeit, über Währungsreform und Weinkrise bis heute.
Was war das für ein Mensch, der solch eine Einrichtung ins Leben rief? Ein heller Kopf jedenfalls, denn sein zwar nicht adliger, aber glücklicherweise auch nicht armer Vater ermöglichte ihm eine Ausbildung, die selbst heutzutage ungewöhnlich wäre. Deventer in Holland, Heidelberg und Padua waren die Stationen.
Schon 1425, mit 24 Jahren, hielt er Vorlesungen an der Universität zu Köln. 1426 erhielt er die Priesterweihe und entwickelte von nun an vor allem seine diplomatischen Fähigkeiten im Dienste der Kirche.
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Er wirkte 1432 auf dem Konzil zu Basel und reiste anschließend als Gesandter des Papstes nach Konstantinopel. Später, von 1438-1448 war er in päpstlichen Diensten auf den deutschen Reichstagen dauernd unterwegs, fast ein Genscher des Spätmittelalters.
Und am Ende, welche Geste gegenüber der Heimat: Sein Körper ruht in einer römischen Kirche, aber sein Herz, das lässt er ganz unchristlich herausschneiden und an die Mosel bringen. Das ruht im Cusanus Stift in heimischer Erde.
Vom architektonisch sehr reizvollen Stiftskomplex führt die Straße mit einer Serie von Gründerzeit-Villen in das eigentliche alte Weindorf Kues. Hier ist das Geburtshaus des großen Kardinals beeindruckend, aber auch die schönen Fachwerkhäuser in den Dorfgassen.
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